Lean als Philosophie


Lean als Philosophie

Der Begriff „Lean“ – schlank – ist insbesondere in der Verbindung „Lean Management“ mittlerweile in Industrie und Gewerbe, aber auch in der Verwaltung weit verbreitet. Dabei geht der Ansatz weit darüber hinaus: Lean Thinking ist gefragt – aber was heißt das eigentlich?

Lean: mehr als Methoden und Werkzeuge

Der Lean-Gedanke beschreibt als umfassender Ansatz eine Führungsphilosophie – und lässt sich daher nicht auf Methoden und Werkzeuge reduzieren. Lean ist vor allem eine Kulturfrage in den Unternehmen. Gemeint ist die Ausrichtung aller Geschäftsprozesse auf die Kundschaft, die Umstellung vom unternehmensgetriebenen Push- zum kundenorientierten Pull-Prinzip. Ziel dieses umfassenden Change-Prozesses ist, die Bedürfnisse der Abnehmer bestmöglich zu erfüllen. Grundlegend ist dabei, die Beschäftigten einzubeziehen und in ihrem Bereich eigenverantwortlich agieren zu lassen. Denn Sie kennen als Spezialisten die Prozesse „vor Ort“ und haben die Kompetenz, kontinuierlich Verbesserungsmöglichkeiten zu erkennen und umzusetzen oder größere Änderungen vorzuschlagen, um Verschwendung zu vermeiden. Das Unternehmen wird zur lernenden Organisation, bei der Führung aus Unterstützung, Förderung und einem wertschätzenden Miteinander besteht, das Fehler toleriert. Hierarchische Strukturen und Kontrollen werden reduziert; damit fallen Führungsebenen weg – das Unternehmen wird schlank.

Effizienz oder Effektivität?

Die meisten Organisationen sehen „Lean“ ausschließlich als Instrument der Effizienzsteigerung. Genutzt werden Lean-Methoden und -Werkzeuge, um reibungslose Abläufe und eine verschwendungsfreie Produktion zu ermöglichen. Die Mitarbeitenden werden dabei nicht als Kernelement im kontinuierlichen Verbesserungsprozess gesehen, sondern lediglich als Produktionsfaktoren, deren Kosten möglichst minimiert werden sollten. Typische Effizienzkennzahlen sind Produktivität, Auslastung, Herstellungs- oder Prozesskosten.

Solche Unternehmen sind effizienzgetrieben, aber oft effektivitätsblind. Das heißt: Bestehende Prozesse werden optimiert, aber deren Sinnhaftigkeit wird nicht hinterfragt. Dabei interessiert die Kundschaft letztlich nur, ob die richtigen Prozesse ablaufen und die geforderten Ergebnisse liefern – die Effektivität.

Unternehmen vor dem Scheideweg

Bei Führungskräften und Beratern steht oftmals das zahlenbasierte, nur auf Effizienzwerte ausgerichtete Denken und Handeln im Vordergrund, anstatt sich an den Wünschen der Kundschaft zu orientieren. Kreative Spielräume, um Prozesse zu hinterfragen, querzudenken und grundlegende Änderungen einzuführen, um die Effektivität zu erhöhen, werden zwar einerseits als notwendig erachtet, andererseits aber als teure Spielerei abgetan. Eine langfristige Sicherung der Marktpräsenz ist so fraglich.

Berater und insbesondere Führungskräfte müssen lernen, neben der Effizienz auch die Effektivität zu berücksichtigen. Der Change ist machbar – der Lean-Gedanke mit dem Einbezug der vielen, auf allen Ebenen im Unternehmen vorhandenen klugen Köpfe und einer entsprechenden Fehlerkultur ist dabei ein wichtiger Schritt.

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